Zoos

Weil wir spezielle Interessen haben

Zoos

Zoos in Deutschland können unter kommunaler Regie sein. Manche gehören aber auch den jeweiligen Ländern. Andere wiederum sind privat organisiert.  Die Beschäftigten sind Tierpflegerinnen und Tierpfleger, Tierärztinnen und Tierärzte sowie Verwaltungsangestellte. Doch je nachdem, unter welcher Regie der Zoo läuft, gehören die Beschäftigten zu unterschiedlichen ver.di-Fachbereichen. Mit der Folge, dass auch unterschiedliche Tarifverträge gelten. Diesem Kuddelmuddel haben Zoo-Beschäftigte nun den Kampf angesagt. Fachbereichsübergreifend haben sie einen Dialog der Zoo-Beschäftigten angestoßen.

Die Initiative ging von der ver.di-Bundesfachgruppe Gartenbau, Friedhöfe, Forsten aus, zu der auch die Beschäftigten der kommunalen Zoos gehören. Dabei brauchte es detektivisches Talent, die Kolleginnen und Kollegen anderer Fachbereiche ausfindig zu machen, um bei ihnen um Teilnahme an dem Treffen zu werten. Dennoch: Zum ersten Treffen kamen fast zwei Dutzend Tierpflegerinnen und Tierpfleger aus ganz Deutschland. Susanne Böse-Seitz, Raubtierpflegerin in Saarbrücken und eine der Initiatorinnen des Treffens, ist zufrieden. „Das ist ein guter Anfang“, sagt sie.

Die Kolleginnen und Kollegen waren sich einig: „Die Zoo-Beschäftigten haben spezielle Probleme“, weiß Böse-Seitz. Sorgen und Nöte, die eben nicht mit denen der Kolleginnen und Kollegen übereinstimmen, deren Berufe mit den Tierpflegerinnen und Tierpflegern eine Fachgruppe bilden. Beispiel Berufskrankheiten: Zoosen zum Beispiel bekommen Gärtner nicht. Zoosen sind Krankheiten, die von exotischen Tieren auf den Menschen übertragen werden und exotische Krankheiten auslösen können. Yersiniose gehört unter anderem zu diesen Krankheiten. In seltenen Fällen können auch Meerschweinchen diese Krankheit übertragen, die rheumatische Entzündungen auslösen kann. Die Regel aber ist das nicht. Das gleiche gilt für Hepatitis oder Tuberkulose. Zootierpfleger sind wesentlich stärker gefährdet, sich eine solche Krankheit einzufangen, als Gärtner oder Beschäftigte einer Tierhandlung, die vor allem mit Mäusen oder Kleinvögeln handelt.

Oder Beispiel Material: Tierpfleger wissen sehr wohl, wie wichtig ein guter Raubtierschieber sind. Er muss unter anderem einfach zu bedienen sein. Oder die Arbeitszeit: Die Tiere müssen sieben Tage die Woche versorgt werden und meistens haben die öffentlichen oder privaten Zoos länger als acht Stunden pro Tag geöffnet, so dass zwischen 10 und 12 Stunden am Tag Personal in den Einrichtungen sein muss. „Wir tauschen uns darüber aus, wie die Arbeitszeit in den einzelnen Zoos geregelt ist, welche Lösungen dafür gefunden wurden, wie Familie und Beruf trotz der Anforderungen in den Betrieben vereinbart werden könne“, sagt Böse-Seitz. Aber auch die Bezahlung der Tierpflegerinnen und Tierpfleger war Thema beim ersten Treffen und so auch in Zukunft Thema bleiben: Zu unterschiedlich fallen die Einkommen der Beschäftigten derzeit aus.

Nahezu bei allen Zoos wurde in den vergangenen Jahren Personal abgebaut – die Aufgaben aber sind nicht weniger geworden, sondern mehr. Denn die Anlagen veränderten sich: Damit die Besucher besser sehen können, wurde viel Glas verbaut, das aber regelmäßig geputzt werden muss. Oder die kommentierten Fütterungen: Tierpflegerinnen und Tierpfleger erklären während der Fütterung den Besuchern das Wesen und das Leben der Tiere – dass der Jaguar eigentlich ein Einzelgänger ist und meist keinen anderen Artgenossen im Gehege duldet. Aber solche Unterrichtseinheiten bedeuten für die Zoo-Beschäftigten auch mehr Arbeit und nicht weniger.

Wie geht es weiter? Das Treffen der Tierpflegerinnen und Tierpfleger soll nichts Einmaliges bleiben. Vielmehr soll der Austausch nur der Auftakt sein.. „Bisher haben wir mit einer Bestandaufnahme begonnen – ohne eine Prioritätenliste der Probleme zu erstellen, die uns umtreiben“, so Böse-Seitz. Jetzt geht es erstmal darum, bei den Tierpflegerinnen und Tierpflegern um Engagierte zu werben. Gleichgültig, ob kommunaler oder privater Zoo, ob Wildgehege oder eine landeseigene Einrichtung – wer sich für die Themen  interessiert, kann sich an den Leiter der ver.di-Bundesfachgruppe Gartenbau, Friedhöfe, Forsten, Ralf Nix, wenden: Ralf.Nix@verdi.de