Zoos

Zoos brauchen mehr Personal

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Zoo-Beschäftigte machen mobil

Eisbären im Zoo Bender Eisbären im Zoo

Mehr Aufgaben, mehr Arbeit, längere Öffnungszeiten – aber nicht mehr Personal. Im Gegenteil. In vielen Zoos in Deutschland wurde in den vergangenen Jahren Personal abgebaut. Die Folge: Die verbliebenen Tierpflegerinnen und Tierpfleger sehen sich mit einer deutlichen Arbeitsverdichtung konfrontiert. Kein Wunder, dass Arbeitsverdichtung eines der Themen ist, die auf der Agenda des zweiten Vernetzungstreffens der Zoobeschäftigten standen.

Das Interesse steigt, was sich an den Teilnehmerzahlen zeigt. „Obwohl wir nur Mund-zu-Mund-Propaganda machen“, betont Susanne Böse-Seitz, Tierpflegerin des Saarbrücker Zoos und einer der Initiatorinnen der bisherigen Treffen der Zoobeschäftigten. Fast jeder kommunale Zoo in Deutschland war bei diesem Treffen mit einer Kollegin oder einem Kollegen vertreten. Auch Beschäftigte privater Zoos waren gekommen.

 Bestandsaufnahme – darum drehen sich derzeit die Diskussionen. Wo drückt der Schuh bei den Beschäftigten der Zoos? Was treibt am meisten um? Doch dabei wollen sie nicht stehen bleiben. Diskutiert wird auch über Strategien, mit denen die Situation verbessert werden kann. In einem sind sich die Kolleginnen und Kollegen einig: Bei allen Gemeinsamkeiten mit den anderen Mitgliedern der Fachgruppe Gartenbau, Friedhöfe, Forsten: Die Beschäftigten der Zoos haben spezielle Probleme, die spezielle Lösungen brauchen. Deshalb wird ein Arbeitskreis gebraucht, der sich ausschließlich um die Sorgen und Nöte der Beschäftigten in Zoos kümmert. Dieser Arbeitskreis wird mit den Vernetzungstreffen vorbereitet.

Was hat sich in den Zoos in den vergangenen Jahren verändert? Die Öffnungszeiten wurden ausgeweitet, weil die Besucherinnen und Besucher dies wünschten. Zudem wurden die Anlagen verändert. Damit die Tiere artgerechter gehalten werden und damit die Besucherinnen und Besucher sie dabei besser beobachten können. Viel Glas kam deshalb beim Gehegebau zum Einsatz. Die Folge: Viel Arbeit für die Beschäftigten. Denn sie sind es, die all das Glas putzen. Oder die erklärenden Fütterungen. Für die Besucherinnen und Besucher ist das eine tolle Sache, weil diese Fütterungen ihnen die Möglichkeit geben, die Tiere noch besser zu beobachten. Die Tierpflegerinnen und Tierpflege kosten sie einfach Zeit. Zumal sie sich auch noch tagein, tagaus einiges überlegen sollen, wie sie die Tiere in ihrer Obhut sinnvoll beschäftigen.

Keine Frage, das sind alles Aufgaben, die den Beruf der Tierpflegerin und des Tierpflegers abwechslungsreich und interessant machen. Aber sie brauchen auch Zeit. „Wenn der Arbeitgeber alle diese Aufgaben von uns erwartet, brauchen wir mehr Personal, nicht weniger“, fasst Böse-Seitz die Diskussionen während des Vernetzungstreffens zusammen. Denn nach wie vor versuchen die Zoos, über Personalabbau Kosten zu sparen. Die Kolleginnen und Kollegen lieben ihren Beruf, aber sie wollen ihn auch gut ausüben können. Schon gar, weil sie mit gefährlichen Tieren arbeiten. Und dabei müssen Regeln beachtet und Arbeits- und Gesundheitsschutz allein im Sinne der Sicherheit unbedingt eingehalten werden.

„Es fehlt an Personalbemessung“, kritisiert Böse-Seitz. Es gibt keine Standards, die Zoos sind schwer zu vergleichen. Doch klar ist auch: Der Arbeitsdruck ist hoch. Und Überlastungsanzeigen? Viele Kolleginnen und Kollegen schrecken davor zurück, weil die Kostenkeule wirkt. Das heißt: Sie fürchten, dass Überlastungsanzeige und der Kampf für bessere Arbeitsbedingungen zum Bumerang werden. Dass bestimmte Bereiche im Zoo schlicht dicht gemacht werden, wenn die Kosten infolge von besseren Arbeitsbedingungen steigen. Aber sie weiß auch: „Die Angst darf und wird uns nicht davon abhalten, uns für unsere Interessen einzusetzen.“

Text: Jana Bender/Februar 2017

Von A wie Arbeitszeit bis Z wie Zooalltag

Beschäftigte klagen über steigenden Arbeitsdruck

Wenn Zoo-Beschäftigte zu ver.di-Arbeitstreffen zusammengekommen, dann ist die Agenda lang. Zum zweiten Mal haben sich Zoo-Beschäftigte nun getroffen, um über ihre speziellen Anliegen zu diskutieren. Und: Es waren doppelt so viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer wie beim ersten Arbeitstreffen Ende vergangenen Jahres.

Was brennt den Zoo-Beschäftigten alles auf den Nägeln? Da sind der Arbeits- und Gesundheitsschutz, die psychischen Belastungen und die oft fehlenden psychischen Gefährdungsbeurteilungen. Und es geht um die Arbeitszeit, aber auch darum, dass die Arbeiten, die die Zoo-Beschäftigten tagein, tagaus erledigen müssen, stetig wachsen. Gleichzeitig glauben die Zoo-Betreiber Kosten sparen zu können, indem sie weiter Personal abbauen. Kein Wunder, dass Zoo-Beschäftigte über steigenden Arbeitsdruck klagen. 

Die Kolleginnen und Kollegen beim Vernetzungstreffen wollten es aber nicht beim Klagen belassen. Sie haben sich vorgenommen, offensiv auf ihre Probleme aufmerksam zu machen. Wie muss ein Flyer aussehen, wann ist ein Aushang am schwarzen Brett das richtige Informationsmedium?, fragten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Und sie haben Konzepte erarbeitet, wie sie im Rahmen einer Veranstaltung noch mehr Kolleginnen dafür gewinnen können, sich ebenfalls zu engagieren. Andererseits haben sie Konzepte für eine erfolgreiche Öffentlichkeitsarbeit erstellt, um auch die Besucherinnen und Besucher sowie Freunde der Zoos für die Anliegen der Zoo-Beschäftigte in Deutschland zu interessieren.

Übrigens: Nach Angaben des Verbandes der Zoologischen Gärten sind im deutschsprachigen Raum in den Zoos und Tiergehegen 5 500 Frauen und Männer das ganze Jahr über beschäftigt.