Fachtagung Gute Arbeit 2013

Arbeitsorganisation, Gesundheitsschutz und Berufsverlaufsmodelle

Demografie

Modellprojekt

Renate Sternatz Bender Renate Sternatz

Den Herausforderungen des demografischen Wandels muss sowohl politisch, tarifpolitisch und betrieblich begegnet werden. Denn auf alle drei Bereiche wirkt sich der demografische Wandel, der sich längst bemerkbar gemacht hat, aus. Darauf hat Renate Sternatz, Bereichsleiterin Gemeinden bei der Ver.di-Bundesverwaltung, verwiesen.

Warum ist die Demografie ein gewerkschaftliches Thema? Weil der demografische Wandel Auswirkungen auf die Belegschaften hat – auch auf die Belegschaften in den Kommunalverwaltungen. Und weil der demografische Wandel die Kommunen selbst und deren Aufgaben verändern wird – was wiederum Auswirkungen auf die Beschäftigten haben wird. So werden angesichts des demografischen Wandels unter anderem die Wasserversorgung, das Pflegeangebot, das Wohnen und der Nahverkehr sich den Erfordernissen der alternden Gesellschaft anpassen müssen.

Viele Kommunen werden im Zuge des demografischen Wandels schrumpfen, einige Regionen dagegen wie der Ballungsraum Frankfurt oder Berlin werden wachsen, auch weil Bürgerinnen und Bürger wieder zurück in die Städte ziehen. Eine älter werdende Gesellschaft hat zudem andere Anforderungen, was kommunale Dienstleistungen betrifft als eine junge Gesellschaft. Möglicherweise werden in wenigen Jahren Kitas oder Schulen verstärkt in Begegnungsstätten für Senioren umgenutzt. Und was die Beschäftigung betrifft: Alternde Belegschaften stellen neue Herausforderungen an das Personalmanagement sowie den Arbeits- und Gesundheitsschutz dar.  Hinzu kommt: Da die Menschen älter werden, mit dem Älterwerden aber die Pflegebedürftigkeit steigt,  wird auch die Zahl der Menschen steigen, die Pflege brauchen.

Dass das Thema Demografie mittlerweile bei den Politikern und den Verantwortlichen in den Kommunen und bei den Ländern angekommen ist, zeigt für Sternatz unter anderem der Demografiegipfel, den die Bundesregierung initiiert hat.  Die Strategien, die bisher dabei aber diskutiert werden, tragen für ver.di nicht dazu bei, den Herausforderungen zu begegnen. Beispiel Renten:  So hält die Bundesregierung weiterhin an der Verlängerung der Lebensarbeitszeit fest, obwohl ältere Beschäftigte vielfach keine Möglichkeit sehen, die Regelaltersgrenze wirklich zu erreichen. Die Folge für die Beschäftigten: Wer früher in Rente gehen muss, weil er die Belastung nicht mehr schafft, muss eine drastische Kürzung seiner Alterssicherung hinnehmen. 
Tarifpolitisch werden nach Sternatz‘ Ansicht Regelungen gebraucht, die den demografischen Wandel flankieren. Beispiel: Altersteilzeit.  Die gesetzlichen Regelungen zur Altersteilzeit sind ausgelaufen. Die bisher festgelegten tariflichen Regelungen zur Altersteilzeit haben zur Folge, dass sich nur noch wenige Beschäftigte Altersteilzeit finanziell leisten können. Handlungsbedarf sieht Sternatz  ferner bei der Gesundheitsförderung, der Qualifizierung und der Personalentwicklung.

Bei der betrieblichen Ebene setzt das ver.di-Projekt zum demografischen Wandel an. Pilotverwaltungen und Pilotbetriebe erproben mit ihrer Teilnahme am Projekt Möglichkeiten, wie einerseits Pflege und Beruf besser zu vereinbaren sind, und andererseits, wie altersgerechte Arbeitsbedingungen  gestaltet werden können.

Was ist das Ziel des Projekts? „Wir wollen Bewusstsein für die Thematik wecken“, sagt Sternatz. Und dazu animieren, nach passgenauen  Lösungen zu suchen. Dass es diese Lösungen gibt, haben die Projekte in den vergangenen Jahren gezeigt. Dabei geht es unter  anderem um Berufsverlaufsmodelle, neue Formen der Arbeitsorganisation und um einen besseren Gesundheitsschutz, um die Leistungsfähigkeit der Beschäftigten zu erhalten. Damit sie gesund regulär in Rente gehen können.  Im Blick sind dabei nicht die Defizite, die sich möglicherweise mit dem Alter einstellen, sondern die Erfahrung und das Können der Beschäftigten. Dass Arbeit bis zur regulären Rente nur möglich ist, wenn es sich um gute Arbeit handelt, versteht sich dabei von selbst.