Arbeits- und Gesundheitsschutz

Weil Stress lebensgefährlich ist

Arbeitsbedingungen

Sicherheit in Zoos

Elefanten im Zoo Bender Elefanten im Zoo

Es war ein Nackenbiss. Als am Morgen der Chemnitzer Tierpark-Direktor Hermann bei seinem Routinerundgang durch das Leopardengehege den blutüberströmten leblosen Körper der Tierpflegerin finde, ist die junge Frau schon tot. Sie starb an schwersten Bissverletzungen an Kopf und Nacken. Die junge Frau hätte gar nicht im Tierpark sein sollen, sie hatte frei und war an diesem Wochenende für einen Kollegen eingesprungen.
Auch die Pflegerin in Aschersleben (Salzlandkreis) war nur für eine Kollegin eingesprungen. Als sie die Stallungen der Raubkatzen säuberte, wurde sie von einem Tiger angegriffen und lebensgefährlich verletzt. „Arbeitsunfall“ notiert die Polizei bei diesen Vorfällen, verursacht durch menschliches Versagen.

Berufsgenossenschaften wissen: Es kommt immer wieder zu solchen Unfällen. Der Arbeitsplatz Zoo ist gefährlich. Er kann gar tödlich sein. Ob die beiden Großkatzenunfälle tatsächlich auf menschliches Versagen zurückzuführen sind, lässt sich oft nicht eindeutig feststellen. Leichtsinn ist es in der Regel nicht, weiß Frank Gutheil, Leiter der Präventionsabteilung der Gartenbau-Berufsgenossenschaft. Die Pflegerinnen und Pfleger, die die Tiere versorgen, „haben einen gesunden Respekt vor ihren Schützlingen“ – ob es sich dabei um einen Tiger, einen Elefanten, ob es sich um Kamele oder Schimpansen handelt. Die Pflegerinnen und Pfleger wissen um die Kraft der Tiere. Und: Dass es eben wilde Tiere sind.

Nach seinen Erfahrungen sind es bauliche Gegebenheiten, die solche Unfälle begünstigen und  vor allem Stress. Wenn zu viel zu tun ist, wenn noch ganz schnell was gemacht werden soll, wenn eben nicht eines nach dem anderen gemacht wird, sondern sich die Pflegerinnen und Pfleger so unter Druck sehen, dass sie glauben, alles gleichzeitig machen zu sollen. Gutheil hält nichts von Multitasking im Beruf: „Denn das kann niemand.“  Im Gegenteil: Zeitnot, Stress kann zur Folge haben, dass vergessen wird, eine Käfigtür zuzusperren oder nicht gründlich nachgesehen wird, in welche Ecke sich das Tier verkrochen hat. Und wer übermüdet ist, weil er arbeitet, obwohl er eigentlich frei hat, der macht Fehler.
 
Und die baulichen Gegebenheiten? „Oft sind die Zoos nicht so eingerichtet, wie sie nach dem Arbeits- und Gesundheitsschutz sein sollten“, meint Gutheil.  Dass zum Beispiel jede Ecke des Käfigs für die Pflegerinnen und Pfleger einzusehen ist – zum Beispiel mit Spiegel oder Kameras, damit die Zoo-Beschäftigten jederzeit sehen können, wo das Tier ist. Die Gräben müssen eine bestimmte Breite und/oder Tiefe haben, damit das Tier in seinem Gehege bleibt – nicht nur zum Schutz der Besucher, sondern auch zum Schutz der Pflegerinnen und Pfleger. Die Verbesserung des Arbeits- und Gesundheitsschutzes in den Zoos gehört dringend auf die Agenda der Personalräte und von ver.di.

Dass die Gehege nicht nur tiergerecht gebaut sind, sondern auch dem Arbeits- und Gesundheitsschutz entsprechen, kann Leben retten. Mängel sollten deshalb bei der Berufsgenossenschaft angezeigt werden. Vertreter der Berufsgenossenschaft setzen sich dann mit den Zoo-Leitungen auseinander. Auch wenn schon was passiert ist. Gutheil kann sich noch gut an den Fall erinnern, bei dem er sich mit einem Zoo-Chef über die Höhe eines Zauns stritt. Die Frage lautete: Kann eine Giraffe bei einem Zaun von 2,50 Meter ihren Kopf darüber strecken und einem Pfleger verletzten. Gutheil behauptete, dass sie das kann und wollte, dass der Zaun um einen halben Meter erhöht wird. Und währen der Zoo-Chef vor dem Zaun hin- und hertänzelte und erklärte, warum die Giraffe ihren Kopf niemals so weit über den Zaun strecken kann, war sie herangekommen und hatte genau das getan, was laut Zoo-Chef nicht möglich war. Der Schubs der Giraffe war so heftig, dass der Zoo-Chef zwei Meter weiter im Gestrüpp landete. Der Zaun wurde übrigens dann erhöht.